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EDP Washington

DEMOKRATEN AUF BEIDEN SEITEN DES ATLANTIKS WERDEN ENGER ZUSAMMENARBEITEN

Für die Demokraten auf beiden Seiten war es besonders wichtig, enger zusammenzuarbeiten.

Inflation im Euroraum bei 3,4 % - vorübergehender Effekt oder echtes Problem?

Engin Eroglu

Even before the Covid crisis, the European Central Bank had "stepped on the gas" with zero interest rates and quantitative easing. However, since the "Pandemic Emergency Purchase Program" (PEPP) launched in spring 2020, the ECB has now pushed this accelerator pedal to the hilt.

Schon vor der Covid-Krise hatte die Europäische Zentralbank mit Nullzinsen und quantitativer Lockerung "aufs Gaspedal gedrückt". Seit dem im Frühjahr 2020 gestarteten "Pandemie-Notfallankaufprogramm" (PEPP) hat die EZB allerdings jetzt dieses Gaspedal bis zum Anschlag durchgetreten.

Nach den neuesten Inflationszahlen, die Eurostat letzte Woche veröffentlichte, steigt die zu erwartende jährliche Inflationsrate der Eurozone von zuletzt 3,0 % auf 3,4 %. Damit liegt der Wert weiterhin deutlich über dem Inflationsziel der EZB von 2 %. Nach Auslegung der EZB handle es sich lediglich um eine Übergangsphase. In dieser Phase könne es vorkommen, so EZB-Chefin Christine Lagarde, dass die Inflation moderat über dem Zielwert liegt. Es ist in ihren Augen daher wichtig, in dieser Situation „nicht überzureagieren “. Ist diese Behauptung in Anbetracht der konstant steigenden Zahlen gerechtfertigt?

Auf den ersten Blick ist an der Position der EZB durchaus etwas dran. Die Covid-Krise hat zu einem Rückgang der Energiepreise und damit zu einer Art "Basiseffekt" geführt. Verglichen mit dem niedrigen Niveau vom Sommer 2020, sind die Energiepreise um mehr als 15 % gestiegen. Auf Energie entfallen 9,5 % der Inflationsrate, weshalb sie einen großen Einfluss auf die gesamte Inflationsrate hat.

Außerdem hat Deutschland den Mehrwertsteuersatz für den Zeitraum von Juli bis Dezember 2020 gesenkt. Diese vorübergehende Maßnahme hat einen weiteren Basiseffekt ausgelöst, der die Inflation in der größten Volkswirtschaft der Eurozone mittlerweile auf 4,1 % hat ansteigen lassen.

Auf den zweiten Blick scheint die Lage allerdings weniger beruhigend:

Erstens dürfte der höhere Preis für CO2-Emissionszertifikate und deren anschließender Reduzierung ein dauerhafter Kostenfaktor sein, der sich in den Energiepreisen für die EU-Verbraucher niederschlagen wird.

Zweitens hat die Corona-Krise gezeigt, dass globalisierte Lieferketten mit zusätzlichen Risiken für Unternehmen und Volkswirtschaften verbunden sind. Es ist zu erwarten, dass sowohl der Privatsektor als auch die Regierungen Strategien zur Verlagerung von Produktionsstätten umsetzen werden. In jedem Fall wird dies die Produkte für die Kunden teurer machen und damit die Inflation anheizen.

Drittens erleben wir immer noch die Auswirkungen voriger Maßnahmen der EZB. Dazu gehört ein Anstieg der Geldmenge M3 von durchschnittlich 4,5 % pro Jahr seit 2010, was deutlich über dem Zinssatz und über dem Wirtschaftswachstum liegt. Bei den von der EZB gehaltenen Gesamtvermögenswerten ist der Anstieg noch dramatischer. Diese haben sich seit 2010 mehr als vervierfacht. Die niedrigen Zinssätze der EZB haben zudem zu einem Boom auf dem Wohnungs- und Baumarkt geführt, wobei die Knappheit an Arbeitskräften und Materialien zusätzlich die Preise in die Höhe treibt. Der Anstieg dieser Preise erfolgt in der Regel mit einer zeitlichen Verzögerung, so dass diese Preise noch einige Zeit weiter steigen dürften.

Viertens hat die Wirtschaft an Fahrt gewonnen und holt nach einer schwierigen Pandemiezeit auf. Hohe Auftragsbestände und Kapazitätsengpässe erhöhen die Preise.

Fünftens könnten die Arbeitskosten aus mehreren Gründen steigen: Höhere Mindestlöhne in mehreren EU-Mitgliedstaaten sind politisch wahrscheinlich. Höhere Tarifabschlüsse, ausgelöst durch "vorübergehende" Inflationssteigerungen, sind bereits in Sicht. Darüber hinaus geht die Generation der Babyboomer in den Ruhestand, was das Arbeitskräfteangebot verringert. All diese Effekte könnten sogar eine Lohn-Preis-Spirale auslösen.

Sechstens ist die öffentliche Verschuldung während der Corona-Krise gestiegen, was den Handlungsspielraum der EZB in der Praxis einschränkt.

Zu guter Letzt könnte auch die höhere Inflation an sich ein zusätzlicher Treiber sein. So warnt Carmen Reinhart, Vizepräsidentin und Chefökonomin der Weltbank, davor, die Inflationsgefahr nicht ernst genug zu nehmen. Je länger die Phase der erhöhten Inflation anhält, „desto stärker beeinflusst sie die Inflationserwartungen. Und je stärker die Erwartungen beeinflusst werden, desto länger wird es dauern, bis die Inflation wieder sinkt.“ In diesem Sinne ist die Inflation - bis zu einem gewissen Grad - eine sich selbsterfüllende Prophezeiung. Reinhart glaube daher, dass die Inflation dauerhafter als gedacht sein werde.

Zusammengefasst: Ja, es gibt Argumente dafür, dass die erhöhte Inflation nur „vorübergehend“ ist. Jedoch verdichten sich die Anzeichen dafür, dass sie länger anhalten könnte. Angesichts der Unwägbarkeiten der Pandemie ist es verständlich, wenn die EZB nicht mit aller Härte auf die geldpolitische Bremse treten möchte. Dennoch ist es nun an der Zeit, den Fuß langsam vom Gaspedal zu nehmen.

Engin Eroglu
Freie Wähler MdEP